"Der Rollstuhlfahrer geht raus."
"Die Person geht raus." oder "Er/Sie ist draußen."
Die Behinderung wird nicht zum Hauptmerkmal gemacht.

von Susanne Steffgen
Sprache prägt unser Denken und Handeln. Hier lernen Sie, wie inklusive Sprache Menschen mit Behinderungen respektvoll einbezieht.
Konkrete Formulierungen für den Alltag, sortiert nach Kategorien.
"Der Rollstuhlfahrer geht raus."
"Die Person geht raus." oder "Er/Sie ist draußen."
Die Behinderung wird nicht zum Hauptmerkmal gemacht.
"Er ist an den Rollstuhl gefesselt."
"Er nutzt einen Rollstuhl."
Rollstühle ermöglichen Mobilität, sie fesseln nicht.
"Sie leidet an einer Gehbehinderung."
"Sie hat eine Gehbehinderung."
Nicht alle Menschen mit Behinderung leiden.
"Der Behinderte wartet."
"Die Person mit Behinderung wartet."
Mensch zuerst, nicht die Behinderung.
"Trotz Rollstuhl ist er erfolgreich."
"Er ist erfolgreich."
Die Behinderung ist kein Hindernis für Erfolg.
"Sie meistert ihr Schicksal."
"Sie lebt ihr Leben."
Behinderung ist kein Schicksal.
"Er kämpft gegen seine Behinderung."
"Er lebt mit seiner Behinderung."
Behinderung ist kein Gegner.
"Die arme Frau im Rollstuhl."
"Die Frau im Rollstuhl."
Kein Mitleid nötig.
"Er ist ein Rollstuhlfahrer."
"Er nutzt einen Rollstuhl."
Der Mensch ist mehr als sein Hilfsmittel.
"Gehbehinderte können das nicht."
"Diese Person braucht eine andere Lösung."
Keine Verallgemeinerungen.
"Der Blinde sieht nichts."
"Die Person mit Sehbehinderung nimmt anders wahr."
Sehen ist nicht die einzige Wahrnehmung.
"Blinde sind hilflos."
"Menschen mit Sehbehinderung sind selbstständig."
Keine Vorurteile.
"Das ist blind für..."
"Das wird übersehen..."
Blind nicht als Metapher verwenden.
"Er leidet an Blindheit."
"Er ist blind."
Neutral formulieren.
"Die Arme ist blind."
"Sie ist blind."
Kein Mitleid ausdrücken.
"Für einen Blinden macht er das gut."
"Er macht das gut."
Leistung ohne Einschränkung würdigen.
"Trotz Blindheit ist sie erfolgreich."
"Sie ist erfolgreich."
Kein Trotz-Denken.
"Blinde Menschen leben in Dunkelheit."
"Blinde Menschen nehmen die Welt anders wahr."
Andere Wahrnehmung, nicht Dunkelheit.
"Der Taubstumme."
"Die gehörlose Person."
Gehörlos bedeutet nicht stumm.
"Sie ist taub wie ein Stein."
"Sie ist gehörlos."
Keine abwertenden Vergleiche.
"Er versteht nichts."
"Er kommuniziert anders."
Gehörlose verstehen, sie hören anders.
"Schwerhörige können nicht kommunizieren."
"Schwerhörige kommunizieren auf verschiedene Weisen."
Vielfalt anerkennen.
"Auf taube Ohren stoßen."
"Nicht gehört werden."
Taub nicht als Metapher.
"Sie leidet an Taubheit."
"Sie ist gehörlos."
Neutral bleiben.
"Trotz Gehörlosigkeit spricht sie."
"Sie spricht."
Kein Trotz-Denken.
"Er ist geistig behindert."
"Er hat eine Lernbehinderung."
Präzise und respektvoll.
"Das ist doch idiotisch."
"Das ist nicht durchdacht."
Keine diskriminierenden Begriffe.
"Sie ist zurückgeblieben."
"Sie lernt in ihrem Tempo."
Respektvolle Sprache.
"Behinderte verstehen das nicht."
"Manche brauchen eine andere Erklärung."
Individuell denken.
"Er ist nicht ganz richtig im Kopf."
"Er denkt anders."
Keine abwertende Sprache.
"Das ist doch behindert."
"Das funktioniert nicht gut."
Behindert nicht als Schimpfwort.
"Sie ist eine Verrückte."
"Sie hat eine psychische Erkrankung."
Respektvolle Bezeichnung.
"Der Sonderling."
"Die Person mit besonderen Bedürfnissen."
Keine abwertenden Labels.
"Behinderte können nicht arbeiten."
"Menschen mit Behinderung arbeiten in vielen Bereichen."
Potenziale sehen.
"Er arbeitet trotz Behinderung."
"Er arbeitet."
Kein Trotz-Denken.
"Sie ist nur in der Behindertenwerkstatt."
"Sie arbeitet in einer Werkstatt."
Arbeit wertschätzen.
"Für einen Behinderten leistet er viel."
"Er leistet viel."
Leistung ohne Einschränkung würdigen.
"Behinderte kosten nur Geld."
"Menschen mit Behinderung tragen zur Gesellschaft bei."
Wert erkennen.
"Sie schafft das doch nie."
"Wie können wir sie unterstützen?"
Lösungsorientiert denken.
"Man kann von Behinderten nichts erwarten."
"Jeder Mensch hat Fähigkeiten."
Stärken fokussieren.
Echte Erfahrungen, die zeigen, wie Sprache wirkt.
In meiner Selbsthilfegruppe für Seheingeschränkte sagt Roland, der seit Geburt blind ist, immer: "Susanne, gut dass wir uns heute gesehen haben."
Kann man zu einem blinden Menschen "Auf Wiedersehen" sagen? Ja, natürlich! Warum sollte man ihn ausgrenzen?
Maria bekam ihren ersten Rollstuhl mit 25. Ihre Freunde sagten: "Wie schrecklich, jetzt bist du an den Rollstuhl gefesselt."
Maria lachte: "Gefesselt? Endlich kann ich wieder überall hin! Der Rollstuhl ist meine Freiheit, nicht mein Gefängnis."
Thomas bewarb sich für eine Stelle. Im Gespräch sagte der Chef: "Ich bin überrascht, wie gut Sie trotz Ihrer Behinderung sind."
Thomas antwortete: "Ich bin gut. Punkt. Meine Behinderung ist kein Hindernis für Kompetenz."
Lisa wurde in der Zeitung als "inspirierende Heldin" bezeichnet, weil sie mit Behinderung studiert.
Sie wollte einfach nur studieren – nicht inspirieren. Menschen mit Behinderung führen normale Leben.
Als Max in Gebärdensprache kommunizierte, sagte jemand: "Schade, dass du nicht richtig sprechen kannst."
Max sprach perfekt – nur in einer anderen Sprache. Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache.
Fremde fragen Sarah oft: "Leidest du sehr unter deiner Behinderung?"
Sarah leidet nicht. Sie lebt. Das ständige Fragen nach dem Leiden – das nervt.
Als Peter auf dem Behindertenparkplatz parkte, sagte jemand: "Du siehst doch gar nicht behindert aus!"
Nicht alle Behinderungen sind sichtbar. Peter hat eine Herzerkrankung.
Anna wurde beim Einkaufen plötzlich am Arm gepackt und zur Kasse geführt – ohne zu fragen.
Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Immer erst fragen, ob Hilfe gewünscht ist.
Jemand sagte zu Michael: "Du bist so tapfer, dass du jeden Tag aufstehst."
Michael steht auf, weil er lebt – nicht weil er tapfer ist. Alltägliches ist kein Heldentum.
Bei einer wichtigen Konferenz wurde vergessen, einen Gebärdendolmetscher zu bestellen.
Inklusion muss von Anfang an mitgedacht werden – nicht erst, wenn jemand fragt.
Im Restaurant fragte der Kellner Klaus's Begleitung: "Was möchte er denn essen?"
Klaus kann selbst bestellen. Sprechen Sie immer direkt mit der Person.
Fremde duzen Julia automatisch, weil sie eine Lernbehinderung hat.
Erwachsene verdienen Respekt – unabhängig von ihrer Behinderung. Fragen Sie nach der Anredeform.
Jemand sagte: "Autisten sind alle so gut in Mathe."
Menschen sind Individuen. Keine Gruppe ist homogen.
Nach der Diagnose sagten alle zu Bernd: "Das tut mir so leid für dich."
Bernd brauchte keinen Trost – er brauchte Information und Unterstützung.
Die Website war nicht barrierefrei. Für Eva war sie wie eine verschlossene Tür.
Digitale Barrieren sind echte Barrieren. Barrierefreiheit ist kein Extra.
Die Ärztin sagte: "Leider wird Ihr Kind nie normal sein."
Was ist schon normal? Vielfalt ist die wahre Normalität.
Stefan wurde abgelehnt: "Sie passen nicht in unser Team." Er vermutete, es lag an seinem Blindenstock.
Inklusion am Arbeitsplatz beginnt mit der Einstellung – der mentalen Einstellung der Arbeitgeber.
Tim wurde nicht eingeladen: "Die Location ist nicht barrierefrei, also..."
Fragt die Person, was sie braucht. Schließt niemanden vorschnell aus.
Im Deutschkurs wurde Gebärdensprache nicht anerkannt als "richtige Sprache".
Gebärdensprachen sind eigenständige Sprachen mit Grammatik und Kultur.
Ein Kind fragte seine Mutter: "Warum sitzt der Mann im Rollstuhl?" Die Mutter zog es weg: "Schau nicht hin!"
Kinder dürfen fragen. Wegschauen macht Menschen unsichtbar. Offenheit schafft Verständnis.
Grundlegende Prinzipien für respektvolle Kommunikation.
Stellen Sie den Menschen in den Vordergrund, nicht die Behinderung.
"Person mit Behinderung" statt "Behinderter"
Vermeiden Sie passiv-leidende Formulierungen.
"nutzt einen Rollstuhl" statt "an den Rollstuhl gefesselt"
Fragen Sie nach der bevorzugten Anrede.
Erwachsene mit Lernbehinderung nicht automatisch duzen.
Normales Leben ist keine Inspirationsquelle.
Nicht "inspirierend, dass du arbeitest" – einfach arbeiten ist normal.
Überrascht sein suggeriert niedrige Erwartungen.
Nicht "Wow, Sie können das trotz..." – Kompetenz ist erwartbar.
Vermeiden Sie Wörter, die Leid implizieren.
"leben mit" statt "leiden unter"
Behinderung ist kein Hindernis für Erfolg.
"erfolgreich" nicht "erfolgreich trotz..."
Jeder Mensch ist individuell.
Nicht "Alle Autisten..." – Menschen sind verschieden.
Behandeln Sie alle Menschen höflich und gleichwertig.
Direkt mit der Person sprechen, nicht über sie hinweg.
Akzeptieren Sie, wie Menschen sich selbst bezeichnen.
Manche sagen "behindert", andere "mit Behinderung" – beides respektieren.
Hilfreiche Websites, Organisationen und Leitfäden zum Thema inklusive Sprache und Barrierefreiheit.
Tipps zur Darstellung von Menschen mit Behinderung in Medien
Regeln und Informationen zu Leichter Sprache
Zentrale Anlaufstelle für Barrierefreiheit
Beratung und Vertretung von Menschen mit Behinderungen
Informationen und Projekte zur Inklusion
Web Content Accessibility Guidelines
Aktionsplattform für moderne Behindertenbewegung
Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung
Informationen und Beispiele zu Leichter Sprache
Europäische Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung
Bildungsprogramme für digitale Inklusion
Leitfäden für barrierefreie Webinhalte
Die wichtigsten Gesetze und Verordnungen zur Barrierefreiheit und Inklusion in Deutschland.
Internationales Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Seit 2009 in Deutschland geltendes Recht.
Ziel ist es, die Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen und ihre gleichberechtigte Teilhabe zu gewährleisten.
Regelt die barrierefreie Gestaltung von Informationstechnik des Bundes, inkl. Leichte Sprache und Gebärdensprache.
Umsetzung der EU-Richtlinie zur Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen. Gilt ab Juni 2025 auch für private Unternehmen.
Verbietet Diskriminierung u.a. aufgrund von Behinderung in verschiedenen Lebensbereichen.
Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen - regelt Leistungen zur Teilhabe.
Ich setze mich seit vielen Jahren für Inklusion und barrierefreie Kommunikation ein. Auf dieser Website teile ich mein Wissen über inklusive Sprache.
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